Vier weitere Einsätze an einem Abend – 6 Stunden im ehrenamtlichen Dienst

Auch am gestrigen Montag bekam die Feuerwehr Gerolzhofen die Nachwehen des Dauerregens vom Wochenende zu spüren. Von 18:00 Uhr bis nach Mitternacht galt es weitere drei Keller auszupumpen. Schwerpunkt lag auch hier im Bereich der Straße ‚Am Schießwasen‘ in Gerolzhofen, als heimkehrende Hausbewohner nach dem Wochenende einen Blick in ihre Kellerräume warfen.
Zwischendurch wurden Wir von der ILS Schweinfurt als Unterstützung für den Rettungsdienst zwischen Gerolzhofen und Mönchstockheim abgerufen. Hier ergriffen Wir Maßnahmen zur Verkehrsabsicherung und versorgten den Patienten bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes.

Nachdem auch für die kommenden Tage Regenfälle gemeldet sind, rüsten Wir Unser Material wieder auf und beobachten die Lage weiterhin kritisch.

Flächenlage „Unwetter“ in Gerolzhofen und dem Südlandkreis Schweinfurt

32 Einsätze / 13 Stunden Dauereinsatz für die Freiwillige Feuerwehr Gerolzhofen

 

Der bereits am Donnerstag einsetzende, ergiebige Dauer- und Starkregen über dem Steigerwald forderte am darauffolgenden Morgen die Freiwillige Feuerwehr Gerolzhofen zu einem umfangreichen Einsatzgeschehen.

Bereits um 08:30 Uhr erkundete der Kommandant die Pegelstände an der Volkach im Ortsbereich Gerolzhofen. Da diese zunehmend stiegen, bereitete man im Feuerwehrhaus Gerolzhofen eine Lagebesprechung mit der örtlichen Einsatzleitung und der Kreisfeuerwehrführung vor.

Die am Fuße des Steigerwaldes liegenden Ortschaften Michelau und Breitbach trafen die Wassermassen als Erstes. Die Feuerwehr Gerolzhofen unterstützte zusammen mit dem Bauhof Gerolzhofen die Gemeindewehren mit dem Zubrngen von gefüllten Sandsäcken aus dem Feuerwehrhaus und stellten weitere Paletten mit Sandsäcken zur Abholung bereit.

Da der Material- und Personalaufwand absehbar anstieg, löste der Einsatzleiter über die Integrierte Leitstelle Schweinfurt Vollalarm für das gesamte Personal der FF Gerolzhofen aus.

Um eine reibungslose Abwicklung der Einsätze zu gewährleisten, errichtete die Einsatzleitung mit dem ELW 1 am Feuerwehrhaus in Gerolzhofen ein Führungs- und Lagezentrum. Im weiteren Verlauf ergänzte die Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung (UG-ÖEL) die Strukturen. Nach Art. 15 des Bayerischen Katastrophenschutzgesetzes übernahm der Kreisbrandinspektor Alexander Bönig die Position als örtlicher Einsatzleiter. Nach Rücksprache mit der ILS Schweinfurt koordinierte die ÖEL die komplette Einsatzabwicklung für den südlichen Landkreis Schweinfurt.

Das mittlerweile in Dingolshausen eingetroffene Hochwasser bahnte sich rasch seinen Weg nach Gerolzhofen. Keine Stunde nach Einrichtung der örtlichen Einsatzleitung lief die Volkach im Bereich der Kartbahn Gerolzhofen über die Ufer. Durch zahlreiche Erkundungsfahrten im Ortsbereich Gerolzhofen behielt die Feuerwehreinsatzleitung den Überblick über die dynamische Lage und ordnete mit Rücksprache der Polizei bzw. des Straßenbaulastträgers diverse Verkehrssicherungsmaßnahmen an.

Um ca. 12:15 Uhr erreichte das Wasser der Volkach die Anwohner in der Steigerwaldstraße Gerolzhofen. Hier liefen rasch mehrere Keller voll. Besonderes Gefahrenpotenzial stellten aufschwimmende Öltanks in den Kellerräumen, was einen zügigen Einsatz von Tauchpumpen erforderte, um einen Umweltschaden zu vermeiden.

Knapp eine Stunde später kam ein zweiter Einsatzschwerpunkt hinzu. In der Straße „Am Schießwasen“ in Gerolzhofen hielt die Kanalisation den Wassermassen nicht stand. So drückte sich über die Hausanschlüsse Fäkal- und Regenwasser in die Kellerbreiche der Anwohner. Durch Baumaßnahmen am Kanal waren der Abfluss sowie das Abpumpen der immer nachlaufenden Mengen an Wasser kaum möglich.

Auch am anderen Ende von Gerolzhofen trat das Wasser der Volkach über die Ufer. Im Bereich der Brücke an der Frankenwinheimer Straße setzte die Feuerwehr Gerolzhofen Sandsäcke zum Schutz des Marterls. Die überflutete Fahrbahn erforderte eine Vollsperrung der Straße für den Verkehr.

Bei der Abarbeitung der Einsätze im Ortsgebiet Gerolzhofen unterstützten Uns die FF Grafenrheinfeld mit dem modularen Gerätesatz Hochwasser (MGH), die FF Rügshofen, die FF Schwebheim, die FF Sulzheim, der THW Ortsverband Gerolzhofen und Schweinfurt, der Rettungsdienst, die BRK Wasserwacht Schweinfurt mit Fachberater und Wasserrettern, die Polizei Unterfranken, das Staatliche Bauamt Schweinfurt, der Kreisbauhof des Landkreises Schweinfurt, das Wasserwirtschaftsamt Schweinfurt, die Bürgermeister der Stadt Gerolzhofen sowie der Landrat Florian Töpper.

Überörtlich und landkreisübergreifend kamen Einheiten des Katastrophenschutzes der Feuerwehr Gerolzhofen ebenfalls zum Einsatz. So unterstützen Wir die Feuerwehr Stadelschwarzach (Landkreis Kitzingen) mit dem Löschfahrzeug-Katastrophenschutz, halfen mit diversen Logistikaufgaben den Feuerwehren Dingolshausen und Frankenwinheim mit Sandsäcken, Tragkraftspritzen und Chemikalienbindemitteln aus. Nicht zuletzt war der Personalaufwand sehr aufwendig und für jeden Helfer körperlich anstrengend.

Zusammenfassend wurden 32 Einsatzstellen über 13 Stunden hinweg abgearbeitet. Gegen 21:30 Uhr standen alle Fahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr Gerolzhofen wieder einsatzbereit am Standort. Die Aufräumarbeiten werden am Wochenende weitere Zeit in Anspruch nehmen.

Modernisierung des Atemschutzes

Der umluftunabhängige Atemschutz ist bei der Menschenrettung und Brandbekämpfung unerlässlich. Deshalb ist es wichtig, gerade diese Kernaufgabe der freiwilligen Feuerwehr Gerolzhofen immer auf dem aktuellen Stand zu halten.

Im Zuge dessen beschaffte die Stadt Gerolzhofen mehrere neue Gerätschaften. Im Einzelnen sind dies 18 Pressluftatmer vom Typ ‚Dräger PSS® 5000 (Hochdruck)‘ mit den dazugehörigen Lungenautomaten und Schnellverschluss-Druckminderern. Zehn neue Lungenautomaten und Atemschutzmasken hält man zusätzlich als Reserve vor, da diese nach einem Einsatz zu Reinigen und Desinfizieren sind und somit die Einsatzbereitschaft ohne Ausfallzeiten wieder hergestellt werden kann.

Zur Arbeitsplatzpositionierung sind der Beckengurt (‚Dräger PSS Safety Belt‘) sowie die Rückentrageplatte flexibel miteinander kombiniert und sichern den Träger mit einer Rückhalte- und Selbstrettungsfunktion einer Notfallsituation ab. Somit entfällt ein zusätzliches Anlegen eines einzelnen Feuerwehrhaltegurtes. Bei vier der neuen Geräte sind die Leinenbeutel integriert. Auch hier kann auf das umständliche Umhängen eines externen Beutels verzichtet werden.

Da die Sicherheit der Rettungskräfte höchste Priorität hat, investierte man in zwölf vollelektronische Signal- und Warneinheiten vom Typ ‚Dräger Bodyguard 1000‘. Dies ist ein Temperatur- und Bewegungslosmelder, der optisch und akustisch alarmiert, falls der Atemschutzgeräteträger in einen Bereich mit zu hoher Umgebungstemperatur vordringt oder in eine Notsituation gerät und selbst Hilfe benötigt.

Durch die Schnellverschlüsse an den Gurten und Druckminderern sowie den verbauten Materialien wird ein einfaches Montieren/Demontieren ermöglicht, was den Aufwand für Reinigungs- und Wartungsaufgaben deutlich reduziert.

Die Geräte sind auf allen Atemschutzplätzen und Reservefächern in den Lösch-, Rüst- und Hubrettungsfahrzeugen der Gerolzhöfer Wehr verlastet und für den nächsten Einsatz vorbereitet.

 

Drei neue Überdrucklüfter

Nicht nur im Bereich der Automobiltechnik, auch im Brandschutz haben Elektromotoren längst Einzug gehalten. So wurden für die Fahrzeuge drei neue Überdrucklüfter beschafft, die mit Strom oder Akku betrieben werden können.
Mit diesen Geräten können durch Überdruck (Funktionsweise ähnlich der eines Ventilators) Gebäude nach einem Brand vom Rauch über eine Abzugsöffnung (z.B. geöffnetes Fenster) befreit werden.
Ein entscheidender Vorteil der Elektroantriebe ist, dass keine Abgase entstehen, die eventuell durch den Lüfter mit in das Gebäude gefördert werden.
Des Weiteren erhöht sich der Einsatzwert, da bei Bedarf über feine Düsen Wasser in den Luftstrom zerstäubt werden kann. Dies ermöglicht z.B. ein Niederschlagen von Gasen in der Luft oder das Kühlen von erhitzten Druckbehältern.
Die Geräte wurden nach Einweisung des Personals auf den Fahrzeugen verlastet.